
Mieterrechte: Muster und Vorlagen
Belegeinsicht Nebenkostenabrechnung: Muster zum Anfordern der Belege
Die Abrechnung zeigt nur Summen. Ob sie stimmen, siehst du erst in den Rechnungen, Verträgen und Bescheiden dahinter. Mit diesem Musterschreiben forderst du die Belege beim Vermieter an, und mit dem zweiten erinnerst du, wenn nichts passiert.

Von Phil Holthaus & Johann Slawski, Gründer von nebify — Nebenkostenabrechnungen, geprüft von Menschen und Software.
Zuletzt aktualisiert am 09.10.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Das Muster unten kannst du kopieren und anpassen. Rechtsgrundlage ist § 556 Abs. 4 BGB: Der Vermieter muss dir auf Verlangen Einsicht in die Belege gewähren.
- Einen Grund musst du nicht nennen. Das allgemeine Interesse, die Abrechnung zu kontrollieren, genügt (BGH, VIII ZR 189/17).
- Seit 2025 darf der Vermieter die Belege elektronisch bereitstellen, etwa als PDF.
- Solange er dir keine Prüfung ermöglicht, darfst du die Nachzahlung zurückhalten.
- Die Einwendungsfrist von zwölf Monaten ab Zugang läuft weiter. Ein Muster ist keine Rechtsberatung.
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Inhalt
- 1. Kurz beantwortet
- 2. Muster: Belegeinsicht zur Nebenkostenabrechnung
- 3. Die Rechtsgrundlage: § 556 Abs. 4 BGB
- 4. Welche Belege du im Muster nennen solltest
- 5. Elektronisch oder vor Ort: so läuft die Einsicht
- 6. Nachzahlung zurückhalten, bis du die Belege hast
- 7. Muster: Erinnerung, wenn der Vermieter nicht reagiert
- 8. Fristen im Blick behalten
- 9. Typische Fehler
- 10. So wertest du die Belege aus
- 11. Häufige Fragen
Kurz beantwortet
Für die Belegeinsicht genügt ein kurzes Schreiben an den Vermieter, in dem du dich auf § 556 Abs. 4 BGB berufst, die Abrechnung bezeichnest und die Belege nennst, die du sehen willst. Der Vermieter kann sie dir elektronisch schicken oder einen Termin anbieten. Eine Begründung brauchst du nicht. Bis du die Belege prüfen konntest, musst du eine Nachzahlung nicht leisten. Unten findest du zwei kopierfertige Muster: eines für die Anfrage, eines für die Erinnerung.
Muster: Belegeinsicht zur Nebenkostenabrechnung anfordern
Kopiere den Text, ersetze alles in eckigen Klammern und streiche Positionen, die dich nicht interessieren. Schick das Schreiben so, dass du den Zugang nachweisen kannst, etwa per E-Mail mit Lesebestätigung oder per Einwurf-Einschreiben.
[Vorname Name] [Straße Hausnummer, PLZ Ort] [Wohnungsnummer / Lage] An [Vermieter / Hausverwaltung] [Anschrift] [Ort, Datum] Betreff: Betriebskostenabrechnung [Abrechnungszeitraum] vom [Datum], Bitte um Belegeinsicht Sehr geehrte Damen und Herren, Ihre Betriebskostenabrechnung für den Zeitraum [01.01.–31.12.Jahr] habe ich am [Datum des Zugangs] erhalten. Zur Prüfung bitte ich gemäß § 556 Abs. 4 BGB um Einsicht in die Belege, die der Abrechnung zugrunde liegen, insbesondere: 1. [Position, z. B. Hausmeister]: Vertrag, Rechnungen und Leistungsverzeichnis 2. [Position, z. B. Gebäudeversicherung]: Versicherungsschein und Beitragsrechnung 3. [Position, z. B. Allgemeinstrom]: Rechnung des Versorgers mit Zählernummer 4. [Position, z. B. Wasser]: Gebührenbescheid und Ablesewerte des Hauptzählers 5. Aufstellung der Flächen, Einheiten oder Verbrauchswerte, die dem Verteilerschlüssel zugrunde liegen Gern können Sie mir die Belege elektronisch zur Verfügung stellen, etwa als PDF an [E-Mail-Adresse]. Alternativ bitte ich um einen Termin zur Einsicht vor Ort. Ich bitte um Übersendung oder Terminvorschlag bis zum [Datum, z. B. in 3 Wochen]. Bis zur Möglichkeit der Prüfung behalte ich mir vor, die Nachzahlung zurückzuhalten. Meine Rechte, Einwendungen gegen die Abrechnung zu erheben, bleiben unberührt. Mit freundlichen Grüßen [Name]
Das Muster ist eine allgemeine Vorlage und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Ob sich aus den Belegen ein begründeter Widerspruch ergibt, hängt von deinem Mietvertrag und der Abrechnung ab.
Die Rechtsgrundlage: § 556 Abs. 4 BGB
„Der Vermieter hat dem Mieter auf Verlangen Einsicht in die der Abrechnung zugrundeliegenden Belege zu gewähren. Der Vermieter ist berechtigt, die Belege elektronisch bereitzustellen.“
Die Pflicht zur Belegvorlage ist älter als diese Vorschrift. Wer über Einnahmen und Ausgaben Rechenschaft ablegen muss, hat eine geordnete Rechnung mitzuteilen und, soweit üblich, Belege vorzulegen (§ 259 Abs. 1 BGB). Darauf hat der Bundesgerichtshof die Belegeinsicht im Mietrecht lange gestützt. Seit 2025 steht sie ausdrücklich im Gesetz, zusammen mit dem Recht des Vermieters, die Belege digital bereitzustellen.
- Einsicht in alle Belege, auf denen die Abrechnung beruht: Rechnungen, Verträge, Bescheide, Ablesewerte, Flächenaufstellungen.
- Bei Verteilung nach Verbrauch auch Einsicht in die Einzelverbrauchswerte der anderen Mieter (BGH, VIII ZR 189/17).
- Keine Begründung nötig: Das allgemeine Interesse, die Tätigkeit des Vermieters zu kontrollieren, genügt.
Welche Belege du im Muster nennen solltest
Du darfst alles sehen, aber eine gezielte Anfrage wird schneller beantwortet und ist leichter auszuwerten. Diese Belege lohnen sich besonders:
Hausmeister und Reinigung
Vertrag mit Leistungsverzeichnis und alle Rechnungen. Hier verstecken sich oft Reparaturen und Verwaltungsaufgaben.
Wartung und sonstige Betriebskosten
Wartungsverträge und Rechnungen, um Reparaturen und nicht vereinbarte Kosten zu erkennen.
Versicherungen
Versicherungsschein und Beitragsrechnung, um nicht umlagefähige Bausteine wie Mietausfall zu finden.
Allgemeinstrom und Wasser
Rechnungen mit Zählernummern und Ablesewerten, um Doppelungen und fremde Verbraucher zu finden.
Verteilerschlüssel
Aufstellung der Flächen, Einheiten oder Personen und bei Heizkosten die Verbrauchswerte aller Nutzer.
Elektronisch oder vor Ort: so läuft die Einsicht
Der Vermieter darf wählen, ob er dir die Belege digital bereitstellt oder dich zur Einsicht einlädt. Vor der gesetzlichen Neuregelung hatte der BGH entschieden, dass Mieter grundsätzlich Einsicht in die Originale verlangen können und Kopien oder Scans nur ausnahmsweise genügen (Urteil vom 15.12.2021, VIII ZR 66/20). Seit 2025 erlaubt das Gesetz die elektronische Bereitstellung ausdrücklich.
Elektronisch
PDF per E-Mail, Download-Link oder Mieterportal. Achte darauf, dass die Scans vollständig und lesbar sind. Fehlen Seiten, frag konkret nach.
Vor Ort
Meist in den Räumen der Hausverwaltung. Nimm eine Liste der Positionen mit, fotografiere die Belege, wenn das erlaubt ist, und notiere, was fehlt.
Kopien per Post
Wünschst du Papierkopien per Post, frag vorher, ob und zu welchen Kosten der Vermieter sie schickt. Die elektronische Bereitstellung ist meist schneller und kostenlos.
Nachzahlung zurückhalten, bis du die Belege hast
Eine Nachforderung wird mit einer formell ordnungsgemäßen Abrechnung fällig. Der BGH gibt dir aber ein Druckmittel: Solange der Vermieter dir keine Überprüfung der Abrechnung ermöglicht, darfst du die Zahlung verweigern. Eine Zahlungsklage wäre in dieser Zeit unbegründet (Urteil vom 07.02.2018, VIII ZR 189/17).
Das gilt für die Nachzahlung, nicht für deine laufende Miete und Vorauszahlungen. Zahle beides weiter pünktlich. Und das Recht endet, sobald der Vermieter die Belege bereitstellt. Dann solltest du zügig prüfen und den unstreitigen Teil zahlen.
Muster: Erinnerung, wenn der Vermieter nicht reagiert
Ist die gesetzte Frist ohne Antwort verstrichen, schick eine Erinnerung. Darin kündigst du an, die Nachforderung bis zur Einsicht nicht zu zahlen, und erhebst vorsorglich Einwendungen, damit dir keine Frist verloren geht.
[Vorname Name] [Anschrift, Wohnung] An [Vermieter / Hausverwaltung] [Anschrift] [Ort, Datum] Betreff: Erinnerung: Belegeinsicht zur Betriebskostenabrechnung [Abrechnungszeitraum] Sehr geehrte Damen und Herren, mit Schreiben vom [Datum] habe ich Einsicht in die Belege zur Betriebskostenabrechnung [Abrechnungszeitraum] verlangt. Eine Antwort liegt mir bisher nicht vor. Ich bitte erneut um Einsicht gemäß § 556 Abs. 4 BGB, gern elektronisch, bis zum [Datum, z. B. in 2 Wochen]. Solange Sie mir keine Prüfung der Abrechnung ermöglichen, zahle ich die Nachforderung von [Betrag] Euro nicht (BGH, Urteil vom 07.02.2018, VIII ZR 189/17). Vorsorglich erhebe ich schon jetzt Einwendungen gegen die Positionen [Positionen], deren Höhe ich ohne Belege nicht nachvollziehen kann. Mit freundlichen Grüßen [Name]
Auch dieses Muster ist keine Rechtsberatung. Reagiert der Vermieter dauerhaft nicht, können Mieterverein oder Anwalt helfen.
Fristen im Blick behalten
„Einwendungen gegen die Abrechnung hat der Mieter dem Vermieter spätestens bis zum Ablauf des zwölften Monats nach Zugang der Abrechnung mitzuteilen. Nach Ablauf dieser Frist kann der Mieter Einwendungen nicht mehr geltend machen, es sei denn, der Mieter hat die verspätete Geltendmachung nicht zu vertreten.“
Verlange die Belege deshalb früh, am besten in den ersten Wochen nach Zugang der Abrechnung. Wird es knapp, erhebe vorsorglich Einwendungen gegen die Positionen, die du nicht prüfen konntest. Konkret und schriftlich: welche Position, warum du sie bezweifelst.
Typische Fehler bei der Belegeinsicht
Nur mündlich gefragt
Ohne schriftliches Verlangen kannst du später nicht belegen, dass du die Einsicht gefordert hast.
Zu spät angefordert
Wer im elften Monat fragt, hat kaum Zeit für die Auswertung.
Laufende Miete gekürzt
Das Zurückbehaltungsrecht betrifft die Nachforderung, nicht die Miete.
Belege nicht gegen den Mietvertrag gelesen
Eine Rechnung kann korrekt sein und trotzdem nicht in deine Abrechnung gehören, etwa wenn die Kosten nicht vereinbart sind.
Weißt du, worauf du in den Belegen achten musst?
Ein Stapel Rechnungen zeigt erst dann etwas, wenn man weiß, wonach man sucht: Reparaturen in der Wartungsrechnung, Verwaltung beim Hausmeister, ein fremder Zähler beim Allgemeinstrom. Genau das prüfen wir täglich.
So wertest du die Belege aus
- 1
Summen abgleichen
Stimmt die Summe der Rechnungen mit den Gesamtkosten der Position überein? Rechnungen außerhalb des Abrechnungszeitraums gehören nicht hinein.
- 2
Leistungen lesen
Begriffe wie Reparatur, Austausch, Ersatzteil, Notdienst oder Verwaltung sprechen gegen umlagefähige Betriebskosten.
- 3
Mit dem Mietvertrag vergleichen
Ist die Kostenart vereinbart? Sonstige Betriebskosten müssen einzeln genannt sein.
- 4
Verteilerschlüssel nachrechnen
Gesamtfläche, deine Fläche, Zahl der Einheiten. Bei Heizkosten die Summe der Verbrauchswerte.
- 5
Einwendungen schreiben
Für jede beanstandete Position Betrag und Grund nennen und eine berichtigte Abrechnung verlangen.
Prüfung durch nebify
Erst prüfen lassen, ob dein Widerspruch begründet ist
Belege anzufordern ist der erste Schritt. Ob sich daraus ein begründeter Widerspruch ergibt, hängt davon ab, was in Mietvertrag, Rechnungen und Verteilerschlüssel steht. Wir prüfen das für dich, nennen jede beanstandbare Position mit Rechtsgrundlage und liefern ein fertiges Schreiben.
- Vorab-Checkkostenlos
Abrechnung hochladen und in 2 Minuten sehen, ob sich eine Prüfung lohnt.
- Prüfbericht24,90 €
Jede Position mit Rechtsgrundlage geprüft, dazu ein fertiges Widerspruchsschreiben an deinen Vermieter.
- Pro Service44,90 €
Prüfbericht plus persönliche Begleitung bei der Klärung mit deinem Vermieter (8 Wochen).
- Prüfbericht in 48 Stunden, sobald alle Unterlagen da sind
- Geprüft von Menschen und Software
- Geld-zurück-Garantie, einmalig pro Abrechnung, kein Abo
Häufige Fragen zum Muster für die Belegeinsicht
Gibt es ein Muster für die Belegeinsicht zur Nebenkostenabrechnung?
Auf welches Gesetz stütze ich die Belegeinsicht?
Muss ich begründen, warum ich die Belege sehen will?
Darf der Vermieter die Belege nur als PDF schicken?
Darf ich die Nachzahlung zurückhalten, bis ich die Belege gesehen habe?
Darf ich auch die Verbrauchswerte der Nachbarn sehen?
Verlängert die Belegeinsicht meine Einwendungsfrist?
Wie lange darf sich der Vermieter mit der Belegeinsicht Zeit lassen?
Lohnt sich bei deiner Abrechnung der Blick in die Belege?
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Für die vollständige Prüfung gilt unsere Geld-zurück-Garantie.
Passende Fälle
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Ob eine Position in deiner Abrechnung tatsächlich unzulässig ist, hängt von Mietvertrag und Einzelfall ab. Bei rechtlichen Fragen hilft dir ein Mieterverein oder ein Fachanwalt für Mietrecht.
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