NeussStand November 2026
Grundsteuer in Neuss 2026: rückwirkend 800 %, was das für Mieter heißt
Im März 2026 hat der Rat der Stadt Neuss den Hebesatz der Grundsteuer B von 610 % auf 800 % angehoben, rückwirkend zum Jahresbeginn. Die neuen Bescheide kamen erst im Juli. In deiner Nebenkostenabrechnung für 2026 siehst du die Erhöhung trotzdem für das ganze Jahr. Hier erfährst du, mit wie viel du rechnen musst.

Von Phil Holthaus & Johann Slawski, Gründer von nebify — Nebenkostenabrechnungen, geprüft von Menschen und Software.
Zuletzt aktualisiert am 05.11.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Der Hebesatz der Grundsteuer B beträgt in Neuss 2026 800 %, nach 610 % im Jahr 2025. Das sind 190 Punkte oder 31,1 % mehr.
- Beschlossen hat der Rat die Erhöhung am 13.03.2026, rückwirkend ab 01.01.2026. Die geänderten Bescheide gingen ab dem 03.07.2026 an die Eigentümer.
- Der Satz gilt einheitlich für Wohn- und Gewerbegrundstücke. Getrennte Sätze hat Neuss nicht eingeführt.
- Neuss hat damit den höchsten Satz im Rhein-Kreis Neuss. Der Kreisschnitt liegt bei 677 %.
- Im Beispiel mit 70 m² in einem Haus mit sechs Wohnungen steigt dein Anteil um 38 € im Jahr.
Kurz beantwortet
Die Grundsteuer B in Neuss wird 2026 mit einem Hebesatz von 800 % berechnet, 2025 waren es 610 %. Bei gleichem Messbetrag steigt die Grundsteuer eines Hauses damit um 31,1 %. Als Mieter trägst du deinen Anteil, wenn dein Mietvertrag die Betriebskosten auf dich überträgt. Die Stadt nennt für typische Wohnimmobilien 10 bis knapp 20 € mehr pro Monat, das gilt aber je Grundstück. In einem Mehrfamilienhaus verteilt sich der Betrag auf alle Wohnungen. Im Beispiel mit sechs Wohnungen sind es für 70 m² gut 3 € im Monat.
- Hebesatz Grundsteuer B in Neuss 2026, rückwirkend ab 01.01.
- 800 %
- Hebesatz 2025, aufkommensneutral nach der Reform
- 610 %
- Mehr Grundsteuer bei gleichem Messbetrag
- +31,1 %
Grundsteuer B in Neuss: Hebesätze 2025 und 2026
| Grundsteuer | 2025 | 2026 |
|---|---|---|
| Grundsteuer B (alle Grundstücke) | 610 % | 800 % |
| Grundsteuer A (Land- und Forstwirtschaft) | 303 % | 303 % |
| Steuer bei 100 € Messbetrag | 610,00 € | 800,00 € |
Hebesatzsatzung 2026 vom 19.03.2026, beschlossen am 13.03.2026, rückwirkend in Kraft ab 01.01.2026. Werte 2025 laut Stadt Neuss (Pressemitteilung vom 09.01.2025). Die Grundsteuer berechnet sich aus Messbetrag mal Hebesatz geteilt durch 100.
Quelle: Stadt Neuss: Hebesatzsatzung 2026 vom 19.03.2026 · Stadt Neuss: Keine Mehreinnahmen durch die Grundsteuerreform (09.01.2025) · Bund der Steuerzahler NRW: Grundsteuer-B-Hebesätze 2026 (Kreisvergleich)
Grundsteuer Neuss im Vergleich mit dem Rhein-Kreis Neuss
Mit 800 % liegt Neuss 2026 an der Spitze im Rhein-Kreis Neuss. Auch Kaarst und Meerbusch haben deutlich erhöht, bleiben aber darunter. Der Kreisschnitt stieg von 585 % auf 677 %.
Die Stadt selbst begründet den Satz mit dem Niveau vergleichbarer Großstädte in NRW, wo die Hebesätze häufig zwischen 750 % und über 900 % liegen. Für Mieter zählt vor allem der Sprung zum Vorjahr: Bei gleichem Messbetrag sind es 31,1 % mehr.
| Stadt | Hebesatz 2026 |
|---|---|
| Neuss | 800 % |
| Grevenbroich | 703 % |
| Jüchen | 695 % |
| Korschenbroich | 690 % |
| Meerbusch | 680 % |
| Schnitt Rhein-Kreis Neuss | 677 % |
| Kaarst | 650 % |
| Dormagen | 610 % |
| Rommerskirchen | 585 % |
Grundsteuer B, einheitlicher Hebesatz in allen Gemeinden des Kreises. Stand laut Bund der Steuerzahler NRW: Kreisvergleich 2026 (aktualisierte Fassung).
Quelle: Bund der Steuerzahler NRW: Grundsteuer-B-Hebesätze 2026 (Kreisvergleich)
Rechenbeispiel: Grundsteuer für eine 70-m²-Wohnung in Neuss
Der Messbetrag ist angenommen, die Hebesätze sind echt. Den echten Messbetrag deines Hauses findest du im Grundsteuerbescheid, den du bei der Belegeinsicht sehen darfst.
Annahmen für das Beispiel
- Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen und 420 m² Wohnfläche
- Grundsteuermessbetrag des Grundstücks: 120 €
- Deine Wohnung hat 70 m²
- Verteilung nach Wohnfläche, Abrechnungsjahr gleich Kalenderjahr
| Grundsteuer 2025: 120 € × 610 % | 732,00 € |
|---|---|
| Grundsteuer 2026: 120 € × 800 % | 960,00 € |
| Dein Anteil 2025: 732,00 € × 70 / 420 | 122,00 € |
| Dein Anteil 2026: 960,00 € × 70 / 420 | 160,00 € |
| Mehr pro Jahr | 38,00 € |
| Mehr pro Monat | 3,17 € |
Dein Anteil steigt im Beispiel um 38,00 € im Jahr. Die von der Stadt genannten 10 bis knapp 20 € pro Monat beziehen sich auf ganze Wohnimmobilien, im Mehrfamilienhaus verteilt sich das auf alle Wohnungen. Hat dein Vermieter die Vorauszahlung nicht angepasst, kann die Abrechnung 2026 eine kleine Nachzahlung bringen.
Beispielrechnung mit einem angenommenen Messbetrag. Was du wirklich zahlst, hängt vom Grundsteuerbescheid deines Hauses und dem vereinbarten Verteilerschlüssel ab.
Wie es zu den 800 % kam
Mit der Grundsteuerreform 2025 hat Neuss den Hebesatz auf 610 % festgesetzt. Das war der Satz, mit dem die Stadt nach Berechnung des Landes so viel einnimmt wie vorher. Die Stadt betonte damals ausdrücklich, dass sie durch die Reform kein zusätzliches Geld bekommt.
Für 2026 hat der Rat am 13.03.2026 neu entschieden: 800 %, rückwirkend ab Januar. Nach Angaben der Stadt bringt das rund 10,7 Mio. € mehr im Jahr. Die Satzung wurde am 19.03.2026 bekannt gemacht.
Rückwirkend erhöhen darf eine Gemeinde den Hebesatz nur, wenn sie bis zum 30. Juni beschließt (§ 25 Abs. 3 GrStG). Neuss lag mit März deutlich vor dieser Frist.
Neue Bescheide im Juli: was das für deine Abrechnung 2026 heißt
Die geänderten Grundsteuerbescheide hat die Stadt ab dem 03.07.2026 verschickt. Bis dahin zahlten die Eigentümer für 2026 nach dem alten Satz. Mit dem neuen Bescheid kam die Nachzahlung für das erste Halbjahr.
In deine Nebenkostenabrechnung gehört die Grundsteuer, die für 2026 festgesetzt ist, also nach 800 %. Wann der Vermieter sie gezahlt hat, spielt keine Rolle. Läuft dein Abrechnungsjahr von Januar bis Dezember, steht der volle neue Betrag in der Abrechnung 2026.
Rechnet dein Vermieter abweichend ab, etwa von Juli bis Juni, kann eine Abrechnung schon vor dem Juli-Bescheid verschickt worden sein. Dann darf er sich eine Nachberechnung vorbehalten, wenn die Erhöhung rückwirkend kam. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden (Urteil vom 12.12.2012, VIII ZR 264/12).
Reicht deine Vorauszahlung für die höhere Grundsteuer?
Deine monatliche Vorauszahlung wurde meist nach der letzten Abrechnung bemessen. Darin steckte noch der Satz von 610 %. Steigt allein die Grundsteuer um gut 31 %, kann am Ende des Jahres ein kleiner Betrag fehlen.
Im Beispiel sind das 38 € im Jahr. Bei größeren Wohnungen oder höheren Messbeträgen entsprechend mehr. Eine solche Nachzahlung ist kein Fehler, solange sie zum Bescheid passt.
Nach der Abrechnung darf der Vermieter die Vorauszahlung auf eine angemessene Höhe anpassen (§ 560 Abs. 4 BGB). Allein wegen der Grundsteuer sollte die Erhöhung ungefähr dem tatsächlichen Mehrbetrag pro Monat entsprechen.
Was von der Position Grundsteuer umlagefähig ist
„die laufenden öffentlichen Lasten des Grundstücks, hierzu gehört namentlich die Grundsteuer“
Die Grundsteuer ist die wichtigste laufende öffentliche Last eines Grundstücks. Dein Vermieter darf sie in Neuss umlegen, wenn dein Mietvertrag die Betriebskosten auf dich überträgt (§ 556 Abs. 1 BGB).
Ohne andere Vereinbarung wird nach Wohnfläche verteilt (§ 556a Abs. 1 BGB). Auch eine rückwirkende Erhöhung gehört in die Abrechnung des Jahres, für das sie gilt.
Umlagefähig
- Grundsteuer B laut Bescheid für 2026
- Nachzahlung für das erste Halbjahr 2026
- Anteil nach Wohnfläche oder vereinbartem Schlüssel
- Nachberechnung, wenn sie vorbehalten wurde
Nicht umlagefähig
- Säumniszuschläge, Mahngebühren oder Zinsen
- Grundsteuer für ein anderes Steuerjahr
- Kosten eines Widerspruchs des Eigentümers gegen den Bescheid
- Grundsteuer A für land- und forstwirtschaftliche Flächen
Typische Fehler in der Abrechnung
Alter Satz für 2026
Hat der Vermieter für 2026 noch mit 610 % gerechnet, fehlt die Erhöhung, oder sie kommt später als Nachberechnung. Am Ende muss genau der Betrag aus dem neuen Bescheid stehen.
Nachzahlung doppelt
Die Nachzahlung aus dem Juli-Bescheid gehört zur Grundsteuer 2026. Taucht sie zusätzlich in der Abrechnung 2027 auf, zahlst du sie zweimal.
Gewerbe nicht mitgezählt
Wird die Grundsteuer nur auf die Wohnungen verteilt, obwohl im Haus auch ein Laden ist, zahlst du dessen Anteil mit. Die Gesamtfläche muss alle Einheiten enthalten.
Zuschläge in der Grundsteuer
Säumniszuschläge wegen verspäteter Zahlung des Eigentümers gehören nicht zur Grundsteuer des Hauses.
Falsches Jahr
Rechnet der Vermieter nicht nach Kalenderjahr ab, müssen 2025 und 2026 zeitanteilig mit dem jeweiligen Satz eingehen.
So prüfst du die Grundsteuer in deiner Abrechnung
- 1
Hebesatz im Bescheid ablesen
Für 2026 muss im Bescheid 800 % stehen. Hat das Haus nur den Bescheid vom Jahresanfang, fehlt noch die Änderung vom Juli.
- 2
Betrag nachrechnen
Messbetrag mal 800 geteilt durch 100 ergibt die Grundsteuer des Hauses für 2026. Vergleiche sie mit dem Gesamtbetrag in der Abrechnung.
- 3
Mit 2025 vergleichen
Bei gleichem Messbetrag steigt die Steuer um 31,1 %. Ist der Anstieg deutlich größer, hat sich der Messbetrag geändert oder es steckt ein Fehler drin.
- 4
Zeitraum prüfen
Läuft dein Abrechnungsjahr nicht von Januar bis Dezember, frag nach, wie die beiden Sätze aufgeteilt wurden.
- 5
Belege anfordern
Nach § 556 Abs. 4 BGB kannst du Einsicht in den Grundsteuerbescheid verlangen, auch elektronisch.
Siehst du in deiner Abrechnung, ob die 800 % richtig umgesetzt sind?
Meist steht dort nur ein Betrag. Wir gleichen den Bescheid, die Flächen und deinen Mietvertrag ab und sagen dir, ob deine Grundsteuer stimmt.
Was du tun kannst
Passt die Grundsteuer nicht zum Bescheid, widersprich schriftlich. Nenne den Betrag, den du für falsch hältst, und kurz den Grund.
Für Einwendungen hast du bis zum Ende des zwölften Monats nach Zugang der Abrechnung Zeit (§ 556 Abs. 3 S. 5 BGB).
Gegen den Hebesatz selbst kannst du als Mieter nicht vorgehen. Er gilt für alle Grundstücke in Neuss. Prüfen kannst du aber, ob Betrag, Jahr und Verteilung stimmen.
Ob Hebesatz, Steuerjahr und Verteilung in deiner Abrechnung stimmen, zeigt erst der Abgleich mit dem Grundsteuerbescheid. Du kannst deine Abrechnung prüfen lassen: Für 24,90 € bekommst du jede Position begründet und ein fertiges Schreiben an deinen Vermieter.
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Häufige Fragen: Grundsteuer in Neuss
Wie hoch ist der Grundsteuer-Hebesatz in Neuss 2026?
Muss ich als Mieter in Neuss die Grundsteuer zahlen?
Wie viel mehr Grundsteuer zahlen Mieter in Neuss 2026?
Wann kamen die neuen Grundsteuerbescheide in Neuss?
Darf der Vermieter die höhere Grundsteuer nachfordern?
Ist die Grundsteuer in Neuss höher als in den Nachbarstädten?
Gibt es in Neuss getrennte Hebesätze für Wohnen und Gewerbe?
Ist die Grundsteuer in deiner Neusser Abrechnung richtig?
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Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Ob eine Position in deiner Abrechnung tatsächlich unzulässig ist, hängt von Mietvertrag und Einzelfall ab. Bei rechtlichen Fragen hilft dir ein Mieterverein oder ein Fachanwalt für Mietrecht.